Stillen oder Flasche?

Früher stellte man sich die Frage erst gar nicht, ob man stillt oder dem Baby von Anfang an die Flasche gibt. Das Stillen war das Natürlichste und es gab auch keinen geeigneten Nahrungsersatz für Babys. Wenn die Mutter zuviel Milch hatte, stillte sie sogar noch andere Babys mit, oder pumpte die Milch ab und gab sie zu einer Sammelstelle. Früher war Muttermilch sehr kostbar.

Als vor ungefähr 50 Jahren die industrielle Babynahrung auf den Markt kam, waren alle begeistert. Endlich konnte man kontrollieren, wie viel das Baby trinkt und auch den Rhythmus besser steuern, wann gefüttert werden muss. Für viele Frauen war es eine sehr bequeme Lösung, da Sie nicht mehr so abhängig waren, die Zeitknappheit und der Stress beim Stillen waren nicht mehr gegeben und die Nächte waren auch ruhiger.

Es muss jeder für sich entscheiden, ob er lieber stillt oder nicht. Wobei einem diese Entscheidung manchmal auch abgenommen wird, wenn es einfach nicht funktioniert oder durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten auch nicht empfohlen wird.

Die Muttermilch ist aber nach wie vor die beste und natürlichste Nahrung für Babys. Das wichtigste ist, egal ob man sich für oder gegen das Stillen entschieden hat, das Baby direkt nach der Geburt einmal anzulegen, da es durch die Vormilch (Kolostrum) enorm viele Immunstoffe erhält. Diese Vormilch enthält Immunzellen, wichtige Hormone und Enzyme und es wird das Wachstum des Babys gefördert und es wird vor Krankheiten geschützt.

Die Vorteile des Stillens sind, mütterliche Nähe, Körperwärme, Hautkontakt und Geborgenheit. Gestillte Kinder bekommen seltener Infektionskrankheiten, entwickeln weniger Allergien und leiden später weniger an Übergewicht als Flaschenkinder. Die Entwicklung von Kiefer und Zähnen wird durch die Zieh- und Schluckbewegungen beim Saugen vorteilhaft unterstützt. Das Trinken an der Brust stimuliert außerdem die mimische Muskulatur, die für die spätere Sprachentwicklung wichtig ist. Weiter Vorteile sind, dass weniger Kinder durch die Muttermilch an Karies leiden und die Haut am Po weniger reizbar ist. Aber nicht nur das Baby hat Vorteile beim Stillen, sondern auch die Mama. Es wird durch die Anregung der Hormonproduktion beim Stillen die Gebärmutter schneller zurückgebildet, der Wochenfluss wird beschleunigt und es können Infektionen der Gebärmutterschleimhaut vorgebeugt werden. Außerdem hat man die Milch immer dabei und muss nicht erst die Flasche anmischen und aufwärmen. Dies sind aber nur einige Vorteile des Stillens.

Es ist sehr wichtig, die richtige Position zum Stillen zu finden, damit es für Euch und das Baby bequem ist. Es gibt keine Richtlinien, wann, wie oft und wie lange gestillt wird. Es sollte einfach ein gemeinsamer Rhythmus gefunden werden. Am besten funktioniert es, wenn Ihr Euch nach dem Appetit und dem Tempo des Babys richtet, da jedes Baby unterschiedlich schnell und stark saugt. Es wird empfohlen, das Baby erst eine Brust leer saugen zu lassen, bevor Ihr es an die andere Seite anlegt. Da zu Beginn jeder Mahlzeit zuerst die wässrige und durstlöschende Vormilch und erst nach ein paar Minuten die fettreiche und sättigende Hauptmilch kommt. Dass heißt, wenn Ihr das Baby zu früh von der einen Brust nehmt, kann es nicht satt werden. Wenn Ihr ihm beide Brüste gegeben habt, ist es wichtig das nächste Mal mit der zuletzt gereichten Brust zu beginnen. Umso mehr sich die Trinkmenge steigert, umso längere Pausen macht das Baby von sich aus zwischen den einzelnen Mahlzeiten. Je öfter das Baby trinkt, desto mehr Milch produziert Ihr. Umso mehr Milch Ihr habt, umso satter wird es aber auch. Wenn das Baby richtig satt ist, werden die Stillabstände natürlich auch länger. Anfangs müsst Ihr bestimmt alle zwei bis drei Stunden stillen, dies pendelt sich aber auch mit der Zeit ein. Auch wenn es Anfangs ziemlich stressig und anstrengend ist, ist es trotzdem wichtig, dass Ihr mit Ruhe und Gelassenheit an die Sache geht, sonst kann es zu Stillproblemen kommen. Das Baby sollte auf jeden Fall vier Monate gestillt werden, bevor ein Brei zugefüttert wird. Bei allergiegefährdeten Babys ist die Zeit sogar auf sechs Monate zu erhöhen.

In folgenden Fällen kann bzw. muss die Milch mit Hilfe einer Milchpumpe abgepumpt werden:

•    das Baby ist zu schwach zum saugen
•    das Baby muss z.B. in eine Klinik
•    man die Milchproduktion steigern möchte
•    man wieder arbeiten möchte, oder mehrere Stunden vom Baby getrennt ist

Die abgepumpte Milch muss innerhalb von 72 Stunden verwendet werden. Die Milch kann  im Kühlschrank bei + 4 bis 6° aufbewahrt werden. Auch wenn Ihr die Milch für unterwegs mitnehmen wollt, ist diese immer gekühlt zu transportieren.

Um die Milchbildung anzuregen könnt Ihr folgende Getränke zu Euch nehmen: Wasser, Kräutertee, Milchbildungstee, Getreidekaffee, Buttermilch, Mineralwasser oder Fruchtsaft. Nicht zu empfehlen sind: Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol, Limo und Cola.

In der Zeit, in der Ihr stillt solltet Ihr darauf achten, dass Ihr folgende Lebensmittel nicht zu euch nehmt, da das Baby hiervon Blähungen bekommen kann: Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Hülsenfrüchte und Kohl. Wenn das Baby Blähungen hat und Ihr diese Lebensmittel nicht gegessen habt, kann es daran liegen, was Ihr am Tag zuvor gegessen habt. Lasst einfach eines dieser Dinge beim Essen weg und achtet darauf, ob es besser wird.

In der Anfangszeit des Stillens, kann es vorkommen, dass sich die Brustwarzen etwas entzünden, rot werden oder dass sie einfach gereizt sind, da Ihr das Stillen nicht gewohnt seid. Trotzdem solltet Ihr nicht mit dem Stillen aufhören, weil dies im Normalfall innerhalb weniger Stunden wieder abklingt. Zur Unterstützung könnt Ihr auch Brusthütchen verwenden, die die Brustwarze in dieser Zeit etwas schonen. Ihr solltet Euch gut überlegen, ob Ihr in der Zeit des Stillens dem Baby einen Schnuller gebt, da es durch diesen zu Saugirritationen kommen kann und das Baby dadurch das Stillen evtl. ablehnt, dies kann auch vorkommen, wenn Ihr dem Baby Flaschennahrung zufüttert.

Nach dem Stillen sollte das Baby ein Bäuerchen machen. Nehmt es hierzu kurz hoch, damit die zu viel geschluckte Milch beim Stillen wieder entweichen kann. Wenn das Baby innerhalb von 3-5 Minuten kein Bäuerchen gemacht hat, könnt Ihr es wieder hinlegen, da die überschüssige Luft im Magen nach unten sinkt. Diese kann auch im Liegen an der Magenwand nach oben steigen. Ist das Baby aber dennoch unruhig, dann nehmt es noch mal kurz hoch und versucht es noch einmal.

Dann wünsch ich Euch gutes Gelingen beim Stillen. Ihr könnt mir ja von Euren ersten Stillversuchen erzählen.

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