Schlaf und Kinder – Schlafexperte Jürgen Schuster zeigt, es ist nicht immer kinderleicht

sicherheit1von Jürgen Schuster

„Schlaf, Kindlein, schlaf“ – alte Lieder zeugen davon, dass es wohl schon immer nicht unbedingt selbstverständlich war, dass Kinder sich abends rechtzeitig in ihr Bett begeben und dann einfach so einschlummern.

Gründe, warum Kinder mal besser, mal schlechter schlafen gibt es – wie bei uns Erwachsenen – zahlreich. Und wie bei uns gibt es enorm viele Möglichkeiten den guten Schlaf wieder herzustellen. In allen Altersgruppen verschlechtert sich die Schlafqualität jedoch tendenziell, weshalb wir Ihnen hier immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Um überhaupt gesund und erholsam schlafen zu können, brauchen Kinder genauso wie wir Erwachsenen, die richtige Bettausstattung. Dazu gehört sowohl eine hochwertige Matratze, als auch die passenden Bettwaren. Nur so ist ein angenehmer Schlaf möglich.

Kinder als unbestechlicher Seismograph

Egal wie alt oder jung die Kinder noch sind, meistens werden sie unterschätzt. Weil sie noch nicht so gut im kommunizieren sind, und ihre Gedanken und Gefühle weniger präzise ausdrücken. Kinder beobachten enorm genau. Gerade in den ersten Lebensjahren versuchen diese ganz jungen Menschen völlig unbewusst durch schauen, hören und imitieren von den Eltern zu lernen „wie das Leben geht“. Strahlen die Eltern Gelassenheit und Ruhe aus ist das prima, jedoch leben viele auch ihre Sorgen ungefiltert vor den Kindern aus. So wird der Einfluss der Eltern und der Atmosphäre zu Hause auf das seelische Wohlbefinden und die Schlafqualität oft übersehen. Kinder sind ein wunderbares Argument für Eltern, das Leben möglichst mit weniger Stress und dafür mehr Gelassenheit anzugehen. Nicht immer leicht, doch meistens möglich.

Die optimierten Kinder

….sind keineswegs die Lernmaschinen mit den Einsern im Zeugnis. Um es klar zu sagen – da läuft einiges falsch, wenn Kindheit nur noch eine frühe Form der Karriere-Optimierung darstellt. Wir fixieren die Kinder zu lange auf den Stühlen und wundern uns, wenn sie dann nicht gesund und fröhlich sind. Kinder sind glücklicherweise keine Lernautomaten. Optimiert für das Leben werden Kinder, die –

So geht es

– toben können und dürfen ! Kinder, die sich und ihre Grenzen ausprobieren, die die Welt (besonders die Natur) so viel wie möglich erkunden. Kinder die einen Staudamm im Bach bauen, einen kleinen Baum erklettern, die Berge, die Wiesen, die Kühe und den See gerochen, gefühlt und erlebt haben. Solche Kinder entwickeln weniger Allergien, Stress-Symptome und vor allem – sie schlafen besser.

Viele Anregungen und Hintergründe im Einzelnen

(Aufsteigend nach Alter)

  • Immer noch hält sich stellenweise das Gerücht, man solle Kinder schreien lassen. Die sog. Ferber-Methode ist dabei eine – im Sinne geplagter Eltern – meistens wirksame Verhaltenstherapie. Doch bedenken Sie – jedem Erwachsenen wird erklärt was eine Verhaltenstherapie bewirken soll und wieso sie in einem gewissen Muster aufgebaut ist. Das kann man einem Säugling nicht erklären. Deswegen, folgen Sie Ihrem Herzen – weint ein Kind so muss es getröstet werden! Es braucht Geborgenheit. Streicheln Sie es zärtlich, flüstern Sie ihm etwas Beruhigendes zu, bis es zur Ruhe kommt. Der Prozess von Ablösung und Eigenständigkeit (auch für den Schlaf) muss tagsüber geübt werden.
  • Sollte nächtliches Weinen ungewöhnlich oft vorkommen, schließen Sie mit dem Kinderarzt ggf. Krankheiten oder Schmerzen aus. In manchen Fällen können Osteopathen sehr wertvoll sein, weil sie schmerzhafte Fehlstellungen im Skelett ertasten und in Ordnung bringen.
  • Je älter Kinder werden umso mehr gilt die Devise: Bewegung ist für Menschen in jedem Alter das Schlafmittel Nr. 1. Besonders das kindliche Gehirn braucht für seine Entwicklung sowieso reichlich körperlichen Stimulus. Wenn Eltern z.B. eine optimale Entwicklung an tollen Noten in der Schule festmachen, wird Bewegung für sie zur unentbehrlichen Wunderwaffe.

Tipp am Rande: auch Erwachsene, die in Weiterbildung sind oder ein Seminar besuchen brauchen Bewegung (und danach tiefen Schlaf !), damit der Stoff verfängt und in das Gehirn eingebaut wird. Seminare die nur im Sitzen stattfinden, sind ein Kunstfehler.

  • Welche Bewegung ist optimal? Alles was nicht zu einseitig ist. Besonders gut für die Entwicklung sind neben dem natürlichen Herumtollen und Spielen, Sportarten wie die Kampfkünste, die viel Koordination und Abwechslung bieten. Und gleichzeitig Selbstvertrauen schulen für das ganze Leben. Taekwondo, Karate, WingTsun etc. finden Sie heute überall.
  • Noch ein bedeutendes Argument für Bewegung im Freien – sehr viele Kinder leiden unter Licht – / Sonnenmangel und damit unter Mangel an Vitamin D. Schnell erkennbar an der oft sehr durchscheinenden, blassen Haut und entsprechender Empfindlichkeit gegenüber Sonnenschein. Genau in dem Alter, da sich das Skelett für ein ganzes starkes Leben ausbilden soll, fehlt sowohl das Knochenvitamin als auch die Bewegung und die Muskulatur um die Knochen hart zu machen. Das ist dramatisch und rächt sich später im Leben.

Erste Priorität – Bergender Rückhalt, Gelassenheit, Ruhe

  • Selbstvertrauen ist ein gutes Stichwort. Das wichtigste was Eltern einem Kind mitgeben können ist die Botschaft „Entdecke die Welt, du kriegst selbst schon viel hin. Und gleichzeitig sind wir immer für dich da.“ Der sog. bergende Rückhalt gibt dem Kind die Balance von Selbstwirksamkeit und dem Schutz durch die Eltern. Sehr, sehr schlaffördernd.
  • Vermitteln Sie die Botschaft, dass es schön ist endlich ins Bett zu dürfen – eine Belohnung für jeden müden Menschen nach einem intensiven Tag. „Zur Strafe sofort ins Bett!“ wird langfristig das Bett zum Feind machen.
  • Licht von Flachbildschirmen und Smartphones hat einen hohen Blauanteil und wirkt aktivierend auf den Stoffwechsel, es hält wach. Deswegen denken Sie an Ihre Vorbildfunktion – wenn die Bildschirme zum Lebensmittelpunkt werden, wollen die Kinder das logischerweise auch.
  • Ein Kuscheltier ist wunderbar. Bedenken Sie jedoch, dass ganze Batterien von Kunstfaser-Fellen elektromagnetische Felder aufbauen können.
  • Sehr wertvoll sind die (gemeinsamen) abendlichen Rituale. Dazu kann ein Spiel gehören, Vorlesen oder woran auch immer Sie gemeinsam Freude haben.
  • Regeln und eine gewisse Disziplin sind Teil wertvoller Rituale. Eine definierte Einschlafzeit einigermaßen konsequent durchzuhalten gewöhnt den Körper an einen Schlafrhythmus. Als Belohnung länger aufbleiben ist immer ein schlechtes Signal, weil erneut der Eindruck entsteht Aufbleiben ist toll, Bettgehen ist für Looser. Bedenken Sie nur, wie viele Erwachsene sich nach mehr Schlaf sehnen!
  • Bitte nie, nie, nie den heute üblichen Leistungsdruck auf die Kinder übertragen. Druck hilft nicht, denken Sie nur an Ihr eigenes Stresserleben. Mediziner erleben kindliche Einschlafproblemen selten als organische Schlafstörung. Meist geht es um zu viel Stress, Aufregung, Büffeln, Fernsehen oder PC-Spiele. Auch um mangelnde elterliche Grenzsetzung oder um Eltern, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Schlimmstenfalls mit Beziehungsproblemen, die auf die kindliche Psyche oft genug verheerend und destabilisierend wirken.
  • Geben Sie unbedingt Liebe und Beachtung nicht nur für Leistung. Bedenken Sie immer wieder, Kinder brauchen umso länger zum Einschlafen, je weniger sie sich tagsüber bewegen. Denn wer dauernd leisten muss, verliert das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse. Bewegungsdrang ist ein kindliches Grundbedürfnis, ebenso wie geborgener Schlaf.

Und die große Herausforderung kommt ja erst noch – Pubertät. Dann werden wir alle zu „Eulen“. Der Biorhythmus verschiebt sich nach hinten – aber das ist eine andere Geschichte…..

Herzlichst, Ihr Jürgen Schuster