Wenn Mama feiern geht

HugoWenn es bei uns mal wieder heißt Mädelsabend, bin ich ganz aus dem Häuschen. Zu vergleichen etwa, als ich in meiner Jugend das erste Mal in die Disko durfte. Eine Woche vorher schon zum Shoppen gefahren, um ein passendes Outfit für den großen Abend zu haben. Eventuell bin ich noch zum Friseur um mich stylen zu lassen. Am Nachmittag schon mit dem herrichten angefangen. Fotos an die beste Freundin geschickt zum Outfitvergleich und etwa 58 Outfits später und 3 Stunden bevor die Disko überhaupt mal aufmacht, zu meiner Freundin gefahren.

Inzwischen freue ich mich immer noch wie ein kleines Kind wenn ich mal feiern gehe, doch solche Sperenzchen wie stundenlanges Styling sind nicht mehr drin. Im Gegenteil ich bin froh wenn ich nicht, kurz bevor ich gehe, noch den Schokomund aufs Oberteil bekomme.

Gedanklich plane ich zwar in der Früh schon einen Beautynachmittag, aber innerlich weiß ich schon, die Realität sieht anders aus. Aus meiner geplanten Walle-Mähne werden platt geföhnte Strähnen, ein schneller Dutt oder der Out of Bed Look wenn meine Kleine ausdrücklich darauf besteht, dass Mama sie ins Bett bringt. Weniger Probleme hab ich beim Anziehen. Dadurch dass ich nicht mehr oft weg gehe, hängen die „schönen“ Sachen immer gebügelt im Schrank. Okay 70 Prozent davon sollte ich jetzt als Mutter vielleicht nicht mehr tragen, aber bei den restlichen 30 ist mit Sicherheit was dabei.

Spätestens aber nach der Wahl meiner Schuhe fange ich an mein Outfit wieder zu überdenken. Ich mit Pumps im Club ??? Mit mir selber schließ ich Wetten ab ob ich es bis zur Disco schaffe mit den High Heels oder schon vorher auf die Ballerinas in meiner Handtasche zurück greife.

Bevor ich dann das Haus verlassen will, bekomme ich doch ein schlechtes Gewissen, was ist wenn meine Maus aufwacht während ich mich amüsiere und nach Ihrer Mama schreit. Was wenn sie nicht mehr schlafen kann, weil Mama nicht da ist? Vielleicht sag ich doch noch schnell ab, wir sind ja zu viert, die merken das doch gar nicht wenn ich fehle. Ich könnte ja eine Magenverstimmung vortäuschen. Ich will ja eigentlich gar nicht mehr weg gehen. Weil ich drei hysterische Mädels, die kreischend in meinem Wohnzimmer stehen und mich überreden wollen vermeiden will,  gehe ich einfach mit. Es muss ja nicht so lang sein ein zwei Stunden dann kann ich wieder heim zu meinem Kind.

Komischerweise hab ich jedoch, wenn ich dann mal weg bin, einen riesigen Spaß. Kurzzeitig vergesse ich einfach mal wieder das Mama sein und bin einfach nur ich selber ohne Speichelflecken auf dem T-Shirt und ohne Kleinkind angetackert an meinem Rockzipfel. Ich bin bereits nach einem „Hugo“ so in Fahrt wie die ganze restliche Disco zusammen. „Das machen wir jetzt mindestens einmal im Monat“ freue ich mich ganz motiviert. Eine tolle Idee ich muss öfter raus!

Dieses Vorhaben vergesse ich ganz, ganz schnell und zwar um ca. sieben in der Früh wenn mich meine Tochter nach drei Stunden Schlaf weckt und unbedingt mit Mama malen will. Den Vorschlag noch ein bisschen zu kuscheln findet sie eher nicht so toll und so muss ich aufstehen. Kurzer Blick in die Spiegel. Oh mein Gott, vielleicht sollten wir anstelle von malen ein bisschen Geisterbahn spielen? Ich freue mich schon jetzt wieder auf den Mittagsschlaf und schwöre mir und meinem Spiegelbild: Ich geh nie nie nie wieder weg…

 

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