Kind und Beruf

Kind_BerufMeine Schwangerschaft war für mich das Schönste was mir bisher passiert ist. Ich bin sehr gerne Mama und liebe mein Kind von ganzem Herzen. Es stand für mich von Anfang an jedoch fest, wieder in den Beruf zurückzukehren. Ich bin einfach noch zu jung um meinen Tag nur als „Hausmütterchen“ zu verbringen.

Mit der Entscheidung stellte sich jedoch folgendes Problem: Wer betreut mein Kind in dieser Zeit? Eltern oder Schwiegereltern ? Tagesmutter ? Oder Kinderkrippe ? Als sich dann die Möglichkeit für einen Krippenplatz ergeben hat, sind mein Freund und ich in die Tagesstätte gefahren. Schon der erste Eindruck hier war sehr positiv. Wir haben den Platz bekommen und Emily durfte ab September in die Kita.

Wir hatten eine sehr emotionale Eingewöhnungsphase in der die Kleine und ich viel geweint haben. Jedes Mal wenn ich die Krippe verlassen musste, war mein Gedanke mein Kind weint wahrscheinlich die ganze Zeit und beruhigt sich nie mehr. Ich war zu Hause gesessen und habe mir Vorwürfe gemacht warum ich so egoistisch bin. Nur weil ich wieder arbeiten möchte „schieb“ ich mein Kind ab, lass sie bei fremden Menschen und bin nicht da um sie zu beruhigen wenn sie traurig ist.

Von Woche zu Woche jedoch wurde der Trennungsschmerz geringer, bis zu dem Tag an dem Emily mit ausgebreiteten Armen auf die Kindergärtnerin zuging. Ich hätte am liebsten gleich losgeweint, mein Kind ist noch nie zu jemand anderem so hingerannt (außer Oma und Opa). Ich war sooooooo eifersüchtig, blöd eigentlich denn das genau zeigt ja, dass sie sich wohl fühlt da wo sie ist. Das habe ich nach kurzer Zeit dann auch so gesehen, aber das erste Mal loslassen war eben ein schwieriger Schritt und für mich wahrscheinlich schlimmer als für meine Kleine J . Inzwischen freut sie sich richtig darauf mit den anderen Kindern zu spielen. Emily ist durch die Krippe viel sozialisierter, teilt gerne und auch von der Entwicklung her ist sie für ihr Alter wahnsinnig weit.

Durch die Doppelbelastung Arbeit und Familie komme ich manchmal dann aber auch echt an meine Grenzen. In der Früh sich selber zu richten, wenn die Tochter neben einem steht und das Make-up, das man gerade in die Schublade legt wieder raus nimmt und sich selber ins Gesicht schmiert oder anfängt das Klo mit ihrer Zahnbürste zu reinigen wenn man mal kurz nicht hinschaut oder mit Nagellack Kunststücke auf die neuen Badfließen malt, gleicht einem Halbmarathon. Kurz bevor wir dann fertig sind und bereit das Haus zu verlassen wird dann meistens noch schnell ein Stinker in die Hose gesetzt und die An- und Ausziehprozedur fängt von vorne an. Ich bin noch gar nicht in der Arbeit und denke schon an die erste Pause um wieder runter zu kommen.

Von meinen Pflichten als Hausfrau, denen ich möglichst perfekt nachkommen will, merke ich meistens nicht viel. Nach der Arbeit spurte ich schnell zum Einkaufen, hole die Kleine und dann gehört der Nachmittag uns. Wir spielen und kochen zusammen und wenn ich sie abends ins Bett bringe, bin ich meistens so kaputt dass ich gleich mit ihr einschlafe. Oft werde ich dann wieder geweckt wenn mein Freund aus der Dusche springt und ruft: Schatz, hab ich noch irgendwo Unterhosen? Und T-Shirt find ich auch keins. Upps, waschen wollte ich ja auch mal wieder. Wobei das Waschen nicht das Problem ist, es müsste nur jemand die fünf Körbe die unten stehen sortieren und bügeln. Anfangs war es für mich immer ganz wichtig alles perfekt zu machen, eine perfekte Mutter, eine perfekte Hausfrau, eine perfekte Arbeiterin, ich hab jedoch schnell gemerkt, dass ich damit wirklich an meine Grenzen komme. Es ist unmöglich zu schaffen, dass der Boden immer so sauber ist dass man davon essen kann, der Wäschekeller leer ist, weil alles gewaschen und gebügelt ist und das Badezimmer immer glänzt weil Kalk bei uns Hausverbot hat. Mittlerweile habe ich gemerkt dass es wichtigere Dinge gibt wie den Haushalt. Bei mir ist es sauber aber eben nicht super steril und solang ich noch mit Spaß meinen Lieblingen was koche und jeder was zu anziehen hat ist mir das egal. Wenn das mal wieder nicht der Fall ist dann lege ich mal eben eine Nachtschicht ein. Das wichtigste ist für mich die Zeit die ich mit meiner Familie verbringen kann und nicht mit meinem Haushalt. Meine Tochter ist irgendwann kein Kind mehr und zieht aus, die Hausarbeit aber bleibt mir mein Leben lang und mit dem beschäftige ich mich dann eben später. Da hab ich dann genug Zeit nur für mich und ihn.

Trotz Stress, den man hat wenn man wieder arbeiten geht bereue ich diesen Schritt in keinem Fall. Es tut mir gut rauszukommen und ich kann meinem Freund auch mal über andere Dinge berichten als nur den Kinderalltag. Ein schlechtes Gewissen hab ich auch nicht mehr, denn ich weiß, dass es Emily sehr gut geht. Und ich freue mich auch mehr auf die Nachmittage die uns gehören.

Wie ist eure Einstellung zum Thema Kind und Beruf? Freu mich auf Eure Kommentare, Meinungen und Erfahrungen.

Eure Steffi