Sind Jungs anders als Mädchen?

Zwei Kinder bemalen Ostereier

Diese Frage habe ich mir schon ziemlich oft gestellt und kann sie mit einem klaren „JA“ beantworten. Da ich selbst mit zwei Jungs beschenkt bin, die wirklich alles andere als von ruhigem Gemüt sind, ertappe ich mich schon dabei, das ein oder andere mal darüber nachzudenken, ob es mit Mädchen etwas ruhiger wäre. Man schreibt Mädchen ja eher die angenehmeren Eigenschaften zu, besonnen, nicht so aggressiv, nicht so laut und eher fürsorglich – nun ja wenn ich so an mich als Kind zurückdenke, sehe ich nicht unbedingt diese Eigenschaften vor mir. Ist also der Unterschied zwischen Mädchen und Jungs anerzogen oder doch genetisch bedingt?

In den vergangenen Jahrzehnten beschäftigte diese Frage einige Soziologen, Pädagogen und Psychologen mit dem Ergebnis, dass es keine wirklichen Beweise für tatsächliche biologische Unterschiede gibt. Man nimmt an, dass dies so sei, da die Reaktionen schon oft vom ersten Tag an zwischen Mädchen und Jungen anders sind. Aber auch die klassische Rollenverteilung spielt eine große Rolle und ist auch kritisch zu sehen. Kinder ahmen viel nach was sie von uns Erwachsenen oder ihrem Umfeld sehen. Sicher ist auch, dass die Hormone eine wichtige Rolle spielen.

Wahrheit oder Vorurteil?

Mädchen sind fürsorglicher als Jungen

Gerade Mädchen im Kindergartenalter zeigen durch das typische Mutter-Vater-Kind spielen mit Puppen oder Stofftieren ihre Fürsorge, wobei auch Jungen das gerne spielen. Mädchen reflektieren da sehr oft ihre Mütter und spielen das Alltagsleben nach.

Jungs sind wilder

Viele Eltern haben den Eindruck, dass Jungen wilder und teilweise auch aggressiver seien. Dieser Eindruck ist schon richtig. Schon ab dem 3. Lebensjahr sind Jungen mehr körperlich. Sie stupsen, schieben oder spielen Ritter und sind dabei nicht sonderlich zimperlich mit ihren Schwertern. Jungen sind schon sehr früh wettkampforientiert, das geht bei uns morgens schon los, wer sich als erster gewaschen und angezogen hat. Forscher denken, dass das vom Hormon Testosteron kommt. Dieses Hormon wird auch mit Kampfgeist in Verbindung gebracht. Aber es ist auch so, dass unsere Gesellschaft bei Jungen raues und ungehobeltes Verhalten eher tolerieren als bei Mädchen. Natürlich gibt es auch noch andere Faktoren wie Fernsehen, hier sollte wirklich auch gewaltfreies Programm laufen und auch der Umgang in der Familie sollte gewaltfrei und liebevoll vorgelebt werden.

Jungen sind mutiger als Mädchen

Bei Kleinkindern ist zu beobachen, dass Mädchen tendenziell ängstlicher sind als kleine Jungen. Man muss aber auch sehen dass Mädchen oft Angst lernen, da sie überbehütet erzogen werden. Jungs lässt man eher mal laufen und entdecken, macht man das auch bei kleinen Mädchen, kann man schon beobachten, dass sie mutiger werden und nicht mehr so ängstlich sind.

Mädchen haben ein besseres Sozialverhalten

Mädchen sind offener und eher kompromissbereit aber nicht unbedingt weniger zornig, das äußert sich anders als bei Jungen. Jungs tragen ihren Zorn oft nach Außen mit schreien oder stampfen, Mädchen sind eher hinterhältig und lästern, da läuft vieles verbal ab. Jungs haben oft einen größeren aber lockeren Freundeskreis, Mädchen haben oft nur eine oder zwei beste Freundinnen. Außerdem werden Mädchen oft ermahnt kein aggressives Verhalten zu zeigen, deshalb müssen sie eine andere Ausdrucksform der Wut finden.

Sind Jungs in der Entwicklung hinterher?

Das ist eine weitverbreitete Aussage, die ich auch auf den Prüfstand gestellt habe und ich muss sagen in bestimmten Bereichen ist das durchaus richtig. Auch hier geben Forschern den Hormonen „schuld“, d. h. man vermutet einen hormonell unterschiedlichen Aufbau bzw. Entwicklung der Gehirne von Mädchen und Jungen. Zum Beispiel sprechen Mädchen in aller Regel früher als Jungen. Studien zeigen, das weibliche Babys sprachliche Informationen besser speichern und verarbeiten können als männliche Babys, was dazuführt, dass Eltern sich nochmal intensiver mit der Sprache ihrer Töchter beschäftigen was zur Folge hat, dass die Sprachentwicklung bei Mädchen schneller ist.

Ich denke, man kann nicht sagen typisch Mädchen – typisch Junge, Ausnahmen bestätigen die Regel und ich denke in jedem von uns stecken zwei Anteile. Letztendlich spielt es ja auch  keine Rolle. Die Kinder die man hat, hat man und das ist gut so, egal ob sie nun wild und laut sind oder lieblich und leise.

„Einen Menschen lieben heißt ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“ (Fjodor Dostojewski)

In diesem Sinne wünsche ich eine gute Zeit.

Patrizia