Die Geschichte des Heiligen Martin – warum wir St. Martin feiern

Kommenden Sonntag, den 11. November ist St. Martin. Am Martinstag erinnern wir an den Heiligen Martin von Tours. Er wurde Anfang des vierten Jahrhunderts in Ungarn geboren. Mit 15 Jahren besuchte er die Militärschule, und als er 19 war, wurde er zu den Lanzenreitern eingezogen. Er war zunächst Offizier des römischen Kaisers. Er lies sich mit 18 taufen, mit 40 Jahren quittierte er den Dienst im Heer und wurde Missionar. Seit 371 wirkte er als Bischof von Tours. Der Martinstag ist in Mitteleuropa von zahlreichen Bräuchen geprägt. Einer davon ist der Martinsumzug. Hierfür basteln die Kinder in Kindergarten und Schule bunte Laternen.

Selbstgebastelte Laterne für St. Martin / ©_by_Dieter-Schütz_pixelio

Selbstgebastelte Laterne für St. Martin / ©_by_Dieter-Schütz_pixelio

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir an diesem Tag abends in die Kirche gingen, wo die Geschichte des St. Martin nachgespielt wurde:

Martin hatte einen großen Wunsch, einmal ein Soldat des Kaisers zu werden. Weshalb er schon früh in das Heer des Kaisers eintritt. Er war noch nicht einmal achtzehn Jahre alt. Martin war mutig und tapfer, er hatte viele Freunde. Aber ganz besonders stolz war er auf sein Pferd. Für Martin gab es nichts Schöneres, als auf seinem Pferd durch die Straßen der Stadt zu reiten. Sogar im Winter, wenn es draußen klirrend kalt war, sattelte er sein Pferd und machte mit ihm einen Ausritt.
An einem Abend war es besonders kalt, auf den Straßen lag dicker Schnee und überall hingen Eiszapfen von den Bäumen. Trotzdem sattelte Martin sein Pferd und führte es aus dem Stall. Es begegnete ihm kein Mensch, als er durch die Straßen ritt. Allen war es viel zu kalt, nicht einmal ein Hund war draußen zu sehen. Die Menschen saßen in ihren Häusern um das Feuer herum, und die Tiere rückten im Stall ganz eng zusammen. Martin trieb sein Pferd an, denn er dachte, wenn er schnell reitet würde ihnen beiden warm werden. Doch plötzlich zügelte Martin sein Pferd. Da liegt doch etwas am Straßenrand im Schnee. War es ein Tier oder ein Mensch? Vorsichtig ritt Martin näher, da hörte er ein leises Stöhnen. Als er sich herunter beugte, sah er einen Mann, der wimmerte vor Kälte. Es war ein armer Bettler, nur mit Lumpen bekleidet. Er jammerte: “ Ich friere so!”. Martin zögerte nicht lange, er griff nach seinem Schwert, nahm seinen Mantel von der Schulter, zückte das Schwert und teilte seinen Mantel. “Da, den schenk ich dir” sagte er und gab dem Bettler den halben Mantel. “Danke!” sagte der Bettler leise und wickelte sich in den halben Mantel ein. Martin legte die andere Hälfte um sich. Er trieb sein Pferd an und ritt davon. Nachts träumte er von Jesus.
Er hat darauf das Heer des Kaisers verlassen. Martin wollte kein Soldat mehr sein, er wollte lieber den armen Menschen helfen. Man erzählte sich überall im Land von dem Heiligen Martin. Die Geschichte des armen Bettlers hatte sich weit herumgesprochen, so war Martin ein bekannter Mann. Viele Menschen verehrten und liebten ihn, sie wollten Martin sogar zum Bischof machen. Er wollte aber nicht Bischof werden, dafür war er viel zu bescheiden. Vor diesem Amt hatte Martin Angst und meinte, er würde nie ein guter Bischof werden. Als die Leute kamen und ihm zum Bischof machen wollten, versteckte er sich in einem Gänsestall. Hier werden sie mich bestimmt nicht finden, dachte er. Die Gänse im Gänsestall schnatterten aber so laut und waren so aufgeregt, dass Martin doch entdeckt wurde. So wurde Martin Bischof und er wurde ein guter Bischof.

Nachdem das Martinsspiel zu Ende war, gingen alle nach draußen. Die Eltern mit ihren Kindern folgten dem Sankt Martin, der auf dem Pferd voraus ritt mit den leuchtenden Laternen. Die Kinder singen heute verschiedene Lieder, die sich auf die Taten des Sankt Martin beziehen. Die bunten Laternen symbolisieren dabei die Laternen der Bürger, mit denen sie nach Martin suchten, als er sich im Gänsestall versteckte. Das Ende des Umzuges war natürlich das Highlight des Abends, nämlich ein riesiges Martinsfeuer. Dort gab es dann Lebkuchen, Kinderpunsch und Glühwein.

Ein St. Martin´s Lied:
Ich geh‘ mit meiner Laterne

Ich geh‘ mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne,
und unten, da leuchten wir.
Mein Licht ist aus,
ich geh‘ nach Haus,
rabimmel, rabammel, rabum.

Mein Licht ist aus,
ich geh‘ nach Haus,
rabimmel, rabammel, rabum.

Ich geh‘ mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir.
Da oben leuchten die Sterne,
hier unten leuchten wir.
Ein Lichtermeer
zu Martins Ehr.
Rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir.
Da oben leuchten die Sterne,
hier unten leuchten wir.
Der Martinsman,
der zieht voran.
Rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir.
Da oben leuchten die Sterne,
hier unten leuchten wir.
Wie schön das klingt,
wenn jeder singt.
Rabimmel, rabammel, rabumm.

Ich geh‘ mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir.
Da oben leuchten die Sterne,
hier unten leuchten wir.
Ein Kuchenduft
liegt in der Luft.
Rabimmel, rabammel, rabumm.