Blutschwämme – ein harmloses Geburtsmal?

Blutschwämme, auch Hämangiome genannt, sind gutartige Tumore bei Babys, die durch Wucherungen oder Neubildung der Blutgefäße auftreten. Ungefähr jedes zehnte Baby ist von solchen gutartigen Gewebeveränderungen betroffen – Mädchen häufiger als Jungen. Blutschwämme sind entweder angeboren oder treten meist innerhalb der ersten vier Lebenswochen auf. Im Normalfall bilden sie sich in den ersten Lebensjahren von alleine wieder zurück.

Wie erkenne ich einen Blutschwamm?

Ein Blutschwamm kann überall dort auftreten, wo auch Adern zu finden sind – also prinzipiell am ganzen Körper. Auch Organe wie die Nieren, Leber oder die Lunge können von Hämangiomen betroffen sein. Die meisten Blutschwämme treten jedoch am Hals oder im Gesichtsbereich auf und sind harmlos. Üblicherweise sind Hämangiome dunkelrote bis bläulich gefärbte Flecken oder Erhebungen, die wie ein Schwämmchen aussehen.

Ursachen und Verlauf von Blutschwämmen

Die tatsächlichen Ursachen für das Auftreten von einem oder mehreren Blutschwämmen sind nach wie vor ungeklärt. Es wird jedoch vermutet, dass das Verhalten, solche Tumore der Blutgefäße auszubilden bereits angeboren. Durch eine Stimulation werden auch nach der Geburt Zellen gebildet, aus denen Adern hervorgehen. Da der Körper diese Blutgefäße aber eigentlich gar nicht mehr braucht, entstehen Blutschwämme.

Anfangs kann es sein, dass der Blutschwamm zunächst nur wie ein kleiner Punkt aussieht und daher leicht mit einem Muttermal verwechselt werden kann. Im Gegensatz zu diesem verändert er aber im Laufe der Zeit seine Größe und oftmals auch die Form. Zunächst wächst der Blutschwamm mit dem Baby mit – hier wird von der sogenannten Wachstumsphase gesprochen. Diese dauert in der Regel sechs bis neun Monate an (in seltenen Fällen auch einmal länger) und geht dann in eine Stillstandsphase über, deren Länge von Kind zu Kind unterschiedlich ist. In dieser Zeit ist keine merkliche Veränderung des Hämangioms feststellbar. Anschließend tritt eine Rückbildungsphase ein, in welcher sich der Blutschwamm von selbst zurückbildet. Die Dauer dieser letzten Phase ist von der Größe und der betroffenen Körperstelle abhängig. Meist haben sich kleinere Blutschwämme jedoch bis zum 9. Lebensjahr ohne Rückstände zurückgebildet. Bei größeren Hämangiomen bleiben allerdings oftmals Narben und äußerlich sichtbare Hautveränderungen zurück.

Unterschiedliche Arten von Blutschwämmen

Blutschwämme können in zwei verschiedenen Arten auftreten – kapillär und kavernös. Besteht der Blutschwamm aus sehr kleinen Blutgefäßen mit einem geringen Innendurchmesser, so wird er als kapilläres Hämangiom bezeichnet. Diese Form des Blutschwamms ist meist angeboren, ein bis mehrere Millimeter groß, hellrot gefärbt und tritt hauptsächlich im Bereich der Haut oder der Schleimhäute auf.
Kavernöse Hämangiome werden hingegen Blutschwämme genannt, die durch größere Blutgefäße hervorgerufen wird. Kavernöse Hämangiome sind meist bläulich oder rötlich gefärbt und treten überwiegen in der Gesichtshaut und am Rumpf auf. Im Gegensatz zu kapillären Blutschwämmen treten sie in der Regel erst nach ein paar Tagen auf und können sogar stark bluten.

Komplikationen

Besteht der Verdacht, dass es sich bei einem Hautmal um einen Blutschwamm handeln könnte sollte auf jeden Fall der Kinderarzt, im besten Fall zusätzlich auch noch ein Hautarzt, aufgesucht werden. Im Normalfall sind Blutschwämme gutartige Tumore und daher harmlos, jedoch sind sie bei Betroffenen oftmals psychisch belastend. Gerade wenn der Blutschwamm an sichtbaren Stellen, wie zum Beispiel im Gesicht oder an Armen und Beinen auftritt, kann das das Selbstbewusstsein von Kindern deutlich beinträchtigen. In diesen Fällen sollte auf jeden Fall über eine Behandlung nachgedacht werden, um Hänseleien und seelische Belastungen zu vermeiden.

Auch bei zunehmendem Wachstum des Blutschwamms oder dem Auftreten an bestimmten Körperstellen, wie zum Beispiel am Auge, an den Lippen oder der Achselhöhle, sollte man den Blutschwamm behandeln lassen. Andernfalls können Schmerzen, Entwicklungsstörungen oder andere körperliche Belastungen auftreten.
Befindet sich der Blutschwamm nahe am Auge, so ist es möglich, dass dadurch Sehnerven beeinträchtigt sind und eine Sehschwäche entstehen kann. Durch den Druck des Blutschwamms kann eine Fehlstellung des Kiefers und der Zähne hervorgerufen werden, welche das Essen und Trinken beeinträchtigen. Sind die Lippen betroffen, so kann das Kind unter Sprachstörungen leiden, welche im schlimmsten Fall nicht mehr behoben werden können. Ebenso können Hämangiome, die in Hautfalten oder der Achselhöhle auftreten, werden durch den ständigen Hautkontakt oder das Reiben durch Kleidung noch zusätzlich gereizt. Sie können dann zu bluten beginnen und eine Entzündung oder Infektion der betroffenen Hautstelle auslösen.

Behandlung

In den meisten Fällen bilden sich Blutschwämme größtenteils von allein zurück. In den oben beschriebenen Fällen, sowie beim Auftreten des Hämangioms an den Händen oder Füßen, im Genitalbereich oder bei Frauen an der Brust, ist eine Behandlung empfehlenswert.

Auf eine Operation sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. Eine Operation ist nur dann sinnvoll, wenn nicht-operative Methoden keinen Erfolg versprechen oder wichtige Körperfunktionen, wie zum Beispiel die Sehfähigkeit durch das schnelle Wachstum des Blutschwamms beeinträchtigt werden.

Eine gängige Methode einen Blutschwamm entfernen zu lassen, ist die Lasertherapie. Dabei werden die Wucherungen mittels des Lasers dazu angeregt, sich zurückzubilden. Da diese Therapie mit Schmerzen verbunden ist, wird sie – gerade bei Babys oder Kleinkindern – unter Narkose durchgeführt. Mit Hilfe des Lasereinsatzes ist es zudem möglich, auch Hämangiome im Inneren des Körpers unter Ultraschall- oder MRT-Kontrolle zu behandeln.

Eine weitere Möglichkeit ein Hämangiom zu entfernen ist die Kältetherapie, auch Kryotherapie genannt. Dabei wird Kälte an betroffenen Körperstellen gezielt eingesetzt, um die Gewebeveränderung zu zerstören. Unterschieden werden geschlossene Verfahren, bei denen das Gewebe von Außen mit der Kälte in Berührung kommt und offene Verfahren, bei denen die Kühlmittel direkt in das Gewebe eindringt. Da hierfür häufig flüssiger Stickstoff (-196°C) verwendet wird, wird auch diese Methode unter Narkose oder örtlicher Betäubung angewandt.

In seltenen Fällen werden zur Behandlung von Blutschwämmen auch Medikamente eingesetzt. Vor allem ist das zu empfehlen, wenn der Blutschwamm an einer unerreichbaren Stelle liegt (beispielsweise hinter dem Augapfel), mehrere Blutschwämme gleichzeitig auftreten und verstreut wachsen oder das Hämangiom sehr schnell wuchert. Die viele Menschen auf Kortikosteroide ansprechen, werden zur Behandlung von Blutschwämmen hauptsächlich kortisonhaltige Medikamente (in schwerwiegenderen Fällen auch stärkere Medikamente) eingesetzt, die über mehrere Wochen eingenommen werden müssen. Natürlich ist auch diese Behandlung immer mit Risiken und Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Magenproblemen, Bluthochdruck oder Überzuckerung verbunden und sollte vorher genau mit dem Arzt besprochen werden.

Previous Post