Pränataldiagnostik – Entscheidungshilfe oder Risiko?

Die Schwangerzeit ist für die meisten Schwangeren im Allgemeinen eine aufregende, aber dennoch wunderschöne Zeit, die mit vielen intensiven Gefühlen, Hoffnungen aber auch diversen Unsicherheiten verbunden ist. Dennoch genießen die werdenden Mütter diese Zeit und freuen sich bereits auf eine glückliche Zukunft mit einem weiteren Familienmitglied. Doch was wäre, wenn das Kind nicht gesund zur Welt kommt und mit einer Behinderung leben müsste? Kann man mit solch einer Situation und vor allem mit der damit verbundenen Verantwortung umgehen?

Viele werdende Eltern entscheiden sich deshalb, zusätzlich zu den üblichen Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt, weitere Untersuchungen durchführen zu lassen, die bereits vor der Geburt Auskunft auf dem Gesundheitszustand des ungeborenen Kindes geben. Diese weiterführende Analysen werden als Pränataldiagnostik bezeichnet. Unterschieden wird bei der Pränataldiagnostik zwischen nicht-invasiven Untersuchungen, die außerhalb des Körpers durchgeführt werden, wie z. B. der Ultraschalluntersuchung und Invasiven, die innerhalb des Körpers vorgenommen werden (z. B. Amniozentese oder Nabelschnurpunktion).

Bei der Amniozentese werden die im Fruchtwasser enthaltenen fetalen Zellen untersucht. Dies geschieht in der Regel während des zweiten Schwangerschaftsdrittels. Zunächst wird bei der Amniozentese die Lage des Ungeborenen ermittelt, ehe ca. 10-20ml Fruchtwasser entnommen werden. Nach Vermehrung der Zellen kann nach ca. zwei Tagen eine DNA-Untersuchung durchgeführt werden, die Aufschluss auf Fehlentwicklungen des zentralen Nervenssystems sowie der Chromosomen (Down-Syndrom, Edwards-Syndrom, Trisomie 8 und 9) oder Erbkrankheiten geben können. Eine weitere Untersuchungsmethode der Pränataldiagnostik ist die Chorionzottenbiopsie. Hierbei werden bereits während des ersten Schwangerschaftsdrittels Zellen aus der späteren Plazenta entnommen. Durch diese Methode können chromosal bedingte Erkrankungen und bestimmte Stoffwechselstörungen frühzeitig erkannt werden.

Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist auch eine Nabelschnurpunktion möglich, bei der Blut aus der Nabelschnur des Ungeborenen entnommen wird. Daraufhin können neben Chromosomenuntersuchungen auch Untersuchungen zur Diagnose der Blutgruppenunverträglichkeit oder Stoffwechselstörungen durchgeführt werden.

In der Presse und den Medien wird die pränatale Diagnostik oft mit einem negativen Image belegt. Auch wenn nach heutigem Stand der Entwicklungen kaum mehr Risiken für den Fötus bestehen, birgen invasive Behandlungen immer auch ein Risiko für die Schwangere selbst. Diesen muss sie sich genauso bewusst sein, wie den möglichen Konsequenzen, die aus solch einer Untersuchung resultieren können. Da man eine festgestellte Behinderung des Kindes nur in den seltensten Fällen direkt während der Schwangerschaft behandeln kann, erscheint ein Schwangerschaftsabbruch häufig als einziger Ausweg. Da die Pränataldiagnostik erst ab der 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann, haben viele Schwangere bereits eine tiefe Bindung zu ihrem Kind aufgebaut. Es treten daher oft auch Fragen auf, was wäre wenn die Untersuchungsergebnisse doch nicht richtig sind? Wenn das Kind evtl. doch gesund ist? Schaffen wir es nicht vielleicht doch mit der Verantwortung für ein behindertes Kind zu sorgen umzugehen? Kann ich mit allen Konsequenzen, für mich und das Kind leben?

Die Untersuchungen der Pränataldiagnostik werden nur auf ausdrücklichen Wunsch der werdenden Eltern ausgeführt, da es sich hierbei um keine Routineuntersuchungen handelt. Um nach einer pränatalen Untersuchung eine Entscheidung für oder gegen das Kind treffen zu können sollten sich die werdenden Eltern daher in jedem Fall vom behandelnden Arzt oder in einer Schwangerenberatungsstelle ausführlich beraten lassen und auf keinen Fall etwas überstürzen.