Krankenkassen und Familienschutz: So sichern Sie Ihre Liebsten ab


Sollen Eltern ihre Kinder in der privaten Krankenversicherung (PKV) oder der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) versichern? Diese Frage lässt sich nicht ganz einfach beantworten, hängt sie doch stark von den individuellen und finanziellen Lebensumständen der Eltern ab. Von Bedeutung ist zudem, ob beide Elternteile im gleichen System (GKV oder PKV) oder in diversen Systemen versichert sind. Die Redaktion von www.krankenversicherung-vergleich.de klärt Sie in diesem Artikel auf:

Über welches Gesundheitssystem die Kinder versichert sind

Hierzulande müssen Kinder ebenso wie Erwachsene über eine Krankenversicherung verfügen. Für gewöhnlich werden die Kinder hierbei über die Eltern mitversichert, was für Kassenmitglieder kostenfrei ist. Dabei bekommen die Eltern für jedes Kind eine eigene Krankenversicherungskarte, für die sie keine zusätzlichen Beiträge zu entrichten haben. Dies ist in der privaten Krankenversicherung nicht der Fall. Hier gilt das Äquivalenzprinzip: Hierbei werden für jeden Versicherten individuelle Beiträge erhoben, die sich an Eintrittsalter, Gesundheitszustand, Geschlecht sowie Tarifvariante orientieren. Folglich wird für jedes Kind eine eigene Versicherungsprämie fällig. Besteht für beide Eltern dieselbe Versicherungsform, so gilt diese automatisch auch für das Kind. Verfügen die Elternteile über unterschiedliche Versicherungsformen, so bestimmt deren Einkommenshöhe, über welche Krankenkasse die Kinder zu versichern sind.

Grundsätzlich sind diese beim besserverdienenden Elternteil zu versichern. Wenn dieser Elternteil privat versichert ist und ein monatlichen Einkommen über der Verdienstgrenze erhält, können die Kinder nicht gesetzlich versichert werden. Es besteht dann lediglich die Möglichkeit, diese als freiwilliges Mitglied gegen Beitragszahlung in der GKV zu versichern. Dies gilt allerdings nur, wenn die Kinder die letzten 12 Monate, oder in den letzten 5 Jahren für 24 Monate, gesetzlich versichert waren. Beitragsfrei ist dies lediglich dann möglich, wenn der Hauptverdiener ein Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze erhält. Unter Kostengesichtspunkten schenken sich die Beiträge für eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung und eine Privatversicherung nicht viel. Dies hängt allerdings insbesondere davon ab, welche Tarifvariante in der privaten Krankenversicherung gewählt wird. Die Beiträge in der PKV können steuerlich als Sonderausgaben abgesetzt werden. Ist ein Elternteil seit mindestens 3 Monaten privat versichert, können Neugeborene innerhalb von 2 Monaten nach der Geburt ohne Wartezeiten und Risikozuschläge mitversichert werden.

PKV-Tarife punkten mit zahlreichen Leistungserweiterungen

Nicht alle möglichen medizinischen Untersuchungen und Behandlungen werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, sondern lediglich die, welche im Leistungskatalog verankert sind. Dieser ist für alle Krankenkassen bindend. So etwa die Kosten für Kieferorthopädie. Eine Kostenübernahme der GKV ist hierbei lediglich ab Indikationsstufe 3 vorgesehen – und damit erst bei einer starken Fehlstellung der Zähne. Viele PKV-Tarife sehen dagegen Leistungen für leichte Fehlstellungen vor und damit bereits für die Indikationsstufe 2. Auch im Falle einer notwendigen Zahnversorgung sieht der Leistungskatalog lediglich eine Grundversorgung vor. Ist etwa eine Zahnfüllung notwendig, werden von der GKV lediglich die Kosten für eine Amalgamfüllung in Höhe von 30-50 EUR übernommen. Viele PKV-Tarife sehen dagegen auch für Kunststofffüllungen, welche mit Kosten bis 500 EUR einher gehen können, volle Kostenübernahme vor. Ist ein Zahnersatz auf Implantaten notwendig, ist im Regelfall nicht mit Leistungen der GKV zu rechnen.

In Deutschland benötigen etwa 30% aller Kinder eine Korrektionsbrille. Obwohl Sehhilfen im Hilfsmittelverzeichnis der GKV aufgeführt sind, werden die Kosten für die Anfertigung nur mit erheblichen Einschränkungen übernommen. Sofern keine besonders ausgeprägte Sehbehinderung vorliegt, beschränken sich die Leistungen der GKV auf pauschale Festbeträge. Die Kosten für die Fassung werden überhaupt nicht übernommen. Bei einer Wiederverordnung besteht nach Vollendung des 14. Lebensjahres nur dann Anspruch auf Kostenübernahme, wenn sich die Glasstärke gegenüber der letzten Verordnung um mindestens 0,5 Dioptrien verändert hat. Reparaturkosten werden erstattet; entspiegelte Gläser dagegen nicht. Leistungsstarke Privat-Tarife sehen eine Übernahme von 100% der Kosten für Brillengläser und Kontaktlinsen vor. Brillengestelle werden zumeist bis zu 100 EUR bezuschusst.

Auch im Bereich einer Krankenhausversorgung sieht die PKV weitreichende Leistungen wie Ein-, Zweitbettzimmer, Chefarztbehandlung und freie Krankenhauswahl vor. Einige Tarife enthalten eine Rooming-In Leistung. Damit werden im Falle eines stationären Krankenhausaufenthaltes die Unterbringungskosten einer Begleitperson des Kindes übernommen. Ferner sind Behandlungen durch Heilpraktiker bei der GKV nicht eingeschlossen. Dies gilt auch für die Medikamente. Die PKV trägt dagegen alle anerkannten Naturheilverfahren, Behandlungen und Medikamente, die mit den Leistungen eines Heilpraktikers verbunden sind. Auch Vorsorgeuntersuchungen sind über die GKV zumeist nicht gedeckt.

Eltern können über die Versicherungsform ihrer Kinder in der Regel nicht frei entscheiden, hängt die Vorgehensweise doch vom Einkommen und der Versicherungsform der Elternteile ab. Ist allerdings die Wahlmöglichkeit gegeben, sollte der Abschluss einer Privatversicherung bevorzugt werden. Denn die Leistungen bei Zahnersatz, Sehhilfen, stationärer Krankenhausbehandlung und Naturheilverfahren beim Heilpraktiker werden von der GKV gar nicht, oder lediglich in sehr begrenztem Umfang übernommen.

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