Interview mit einer Hebamme


Das Team von Bettinet war im hiesigen Krankenhaus und hat die Entbindungsstation besichtigt. Anschließend haben wir noch mit der Hebamme Frau Gerlesberger ein Interview durchgeführt.

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei Frau Gerlesberger für den freundlichen Empfang, das aufschlussreiche Interview und die tolle Führung durch den Kreissaal! 

 

 


Wie lange dauert eine Geburt durchschnittlich?

Manche Kinder sind sehr schnell da, in 4 bis 5 Stunden. Es kann natürlich auch sein, dass jemand 17 Stunden braucht und länger. Je nachdem, es kann natürlich auch schnell gehen. Es kommt darauf an, wie man es beschleunigt, wie man eingreift und wie die Natur es vorgesehen hat. Alles was unter 2 Stunden abläuft zählt zu den überstürzten Geburten, ab Beginn der regelmäßigen Wehen (alle 10 Minuten eine Stunde lang). Solche überstürzten Geburten sind aber relativ selten. Wenn die aber wirklich von 0 auf 100 in 2 Stunden ihr Kind bekommen, dann ist es eine Sturzgeburt.

Kommen hier im Krankenhaus die meisten Kinder per Kaiserschnitt oder „normal“ zur Welt?

Die Tendenz des Kaiserschnitts hat hier schon auch zugenommen, das ist schon klar, aber wir haben hier doch noch mehr „normale“ Geburten. Im Vergleich zu anderen Kliniken sind wir noch nicht über 30%. Viele Kliniken liegen bei Kaiserschnittrate bei 30 – 40% .

Werden zur Zeit mehr Mädchen oder mehr Jungs geboren (dieses Jahr)?

26 Mädchen und 22 Jungs sind bei uns dieses Jahr schon zur Welt gekommen. Das gleicht sich aber immer wieder aus.

Warum haben Neugeborene oft Gelbsucht?

Da die Babys im Bauch nicht selber atmen, bekommen sie den Sauerstoff über das Blut der Mama. Dafür brauchen die Babys viele Sauerstoffträger (rote Blutkörperchen). Nach der Geburt atmet das Baby von allein und braucht nicht mehr alle roten Blutkörperchen. Die überschüssigen roten Blutkörperchen zerfallen, diese werden über die Haut, den Stuhlgang und den Urin ausgeschieden. Dadurch färbt sich die Haut oft gelb. Das ist keine ansteckende Gelbsucht.

Werden viele Kinder zu Hause geboren?

Wir Hebammen machen das hier nicht. Hebammen, die in Geburtshäusern arbeiten, machen meist auch Hausgeburten. Wir sind Beleghebammen und wir könnten es zwar auch machen, aber wir bräuchten dann auch eine Ausrüstung dazu.

Waren Sie auch schon bei einer Hausgeburt dabei?

Ja, ungewollt. Da haben die Frauen angerufen und da war es dann schon fast vorbei. Bei einer war ich, die hab ich dann nicht mehr ins Krankenhaus gebracht, dann hat sie das Baby zu Hause zur Welt gebracht. Und bei einer war ich, da war das Kind schon geboren, bis ich da war.

Was sollte man während der Geburt als Frau beachten?

Wenn ich wüsste, dass ich einen Kaiserschnitt bekomme, dann sollte man vorher nicht noch kurz was essen. Hat man einen Blasensprung, dann sollte man sehr zeitig ins Krankenhaus kommen, damit man abklären kann, ob mit der Nabelschnur alle in Ordnung ist und bei einer starken Blutung ist es auch normal, dass ich sofort ins Krankenhaus komme. Ganz wichtig, dass die Familienverhältnisse geklärt sind, wer geht mit zur Geburt, wer ist da dabei. Streitigkeiten sollten auch nicht mit in die Geburt genommen werden. Die werdende Mutter sollte gedanklich bei der Geburt sein.

Wer ist bei der Geburt aufgeregter, die Frauen oder die Männer?

Schon die Männer.

Wer ist bei der Geburt dabei, die Männer, beste Freundin oder auch die Mutter der Schwangeren?

Es sind schon eher die Ehemänner dabei, auch mal die Freundin oder hin und wieder auch die Mutter.

Werden viele Männer bei der Geburt ohnmächtig?

Früher hat es das öfter gegeben, heute nur noch selten. Durch die viele Aufklärung mittlerweile, Filme, Bilder usw. sind die meisten nicht mehr so aufgeregt und eher gelassener.

Sind für Sie die Geburten noch aufregend oder ist es schon etwas Alltägliches?

Aufgeregt, wie soll ich sagen…. Es ist immer eine Erleichterung, wenn das Kind da ist. Da ist dann schon ein kribbeln da. Es kann immer etwas passieren, deshalb bin ich immer erleichtert, wenn das Kind da ist.

Welche Arten von Geburten sind hier im Krankenhaus möglich?

Wassergeburt, die Geburt im Kreisbett und der Kaiserschnitt. Im Entbindungsbett ist der Geburtshocker auch dabei.

Was wird nach der Geburt beim Baby als Erstes untersucht?

Als allererstes, wenn alles gut ist, soll es die Mutter bekommen. Es ist geboren, dann auf den ersten Blick, wird nachgesehen, ob alles dran ist, schreit es, atmet es, dann bekommt es zuerst die Mutter. Man sieht es ja, wenn das Kind geboren wird, ist es schlapp, war die Geburt traumatisch, dann muss es natürlich erst versorgt werden. Man muss es in die Wärme bringen, Atemwege frei machen, absaugen, und müsste eventuell Sauerstoff geben, falls etwas ist. Es wird die ersten 10 Minuten nach den Apgar-Schema bewertet. Das sogenannte Apgar-Schema ist ein Punkteschema um den Zustand der Neugeborenen zu beurteilen. Beurteilung der Haut, ist sie rosig, ist der Herzschlag über 100, ist die Atmung da, sind die Reflexe da, ist der Muskeltonus stark. Das ist die allererste Bewertung, dann kommt das Wiegen, Messen,…. usw. .

Wie alt war die jüngste Mutter und wie alt die älteste Mutter, bei deren Geburt Sie als Hebamme tätig waren?

Die jüngste Mutter war 13. Und die älteste Mutter, das ist schon lange her, die war damals meine ich über 50.

Wie lange sind Sie schon Hebamme?

Seit 1986

Haben Sie mitgezählt, bei wie vielen Geburten Sie schon dabei waren?

Ich habe einmal mitgezählt,aber mittlerweile bin ich nicht mehr so auf dem Laufenden. Ich denke so um die 2500 Geburten waren es.

Hat man als Hebamme überhaupt ein Privatleben?

Man ist schon eingespannt, aber wir sind hier im Krankenhaus 3 Hebammen, da geht das schon. Früher waren wir nur zu zweit, da war ich natürlich auch oft selbst wenn meine Kinder Geburtstag hatten im Krankenhaus. Da hat sich mein ganzes Privatleben eigentlich nach dem Dienst orientiert.

Wie viele Kinder haben Sie selber?

4 Kinder.

Wie sieht eine Arbeitswoche bei Ihnen aus?

Am Montag mache ich immer Babymassagen, danach Hausbesuche, dann ist es so dass ich Abends noch einen Geburtsvorbereitungskurs habe. Am Dienstag mache ich Schwangerenvorsorge, Nachmittag Hausbesuche, Abends Rückbildungsgymnastik. Mittwoch und Donnerstag habe ich Rufbereitschaft hier im Krankenhaus, das heißt 48 Stunden Dienst. Freitag und Samstag mache ich noch Hausbesuche. Am Sonntag eigentlich nicht, aber je nach dem. Natürlich ist nicht jede Woche ganz gleich, wir sind ja 3 Hebammen und wir teilen uns das immer auf.

Wie viel wog das schwerste Kind, bei dessen Geburt Sie dabei waren?

5400 g.

Was ist, wenn die Mütter wissen, dass ihr Kind behindert sein wird?

Was will man ändern. Die Mutter ist natürlich dann auch besorgt und es muss überlegt werden, was medizinisch möglich wäre. Es wir heute natürlich beim Ultraschall schon ziemlich aussortiert. Bei schwerwiegenden Dingen werden die Mütter das Kind bei uns hier auch nicht bekommen, sondern würden sofort in eine Klinik gehen.

Ab wann spricht man von einer Frühgeburt?

Alles was vor der 37. Woche geboren wird. Ab der 24. Schwangerschaftswoche wären die Kinder überlebensfähig. Diese Frühgeburten werden dann aber verlegt und nicht bei uns versorgt.

Kommen in diesem Krankenhaus oft Zwillinge zur Welt oder eher selten?

Die Tendenz neigt dazu, dass Zwillinge oft früher zur Welt kommen, und das dann eher in einer Klinik als hier bei uns. Aber hin und wieder haben wir schon auch Zwillinge. 1 bis 2 mal im Jahr kommt das hier schon vor. Das höchste was wir in einem Jahr mal hatten waren 6 oder 7 mal Zwillinge.

Wie lange hat die längste Geburt gedauert, bei der Sie bisher dabei waren?

2 bis 3 Tage oder auch länger. Das kommt immer ganz darauf an, manchmal dürfen die Mütter zwischendurch auch wieder heim, wenn sie keine ständigen Wehen haben.

Steht der Geburtstermin bevor und die Frau hat aber ein Wunschdatum, an dem das Kind zur Welt kommen soll, wird dann auch eine Geburt eingeleitet?

Das kommt immer ganz auf den Gynäkologen drauf an. Die Tendenz dazu ist heutzutage sicherlich da, aber es ist immer besser, wenn das Kind selbst bestimmt wann es zur Welt will. Es ist immer besser, es geht von selber los. Die Kinder bekommen, kurz vor es los geht noch einmal einen Schub für die Lungenreife. Oft ist es so, dass die Kinder, die durch einen Kaiserschnitt geboren werden meist Lungenprobleme haben, weil sie einfach so „rausgerissen“ werden und eigentlich gar nicht wissen, dass sie jetzt geboren werden. Außerdem kann so eine Wunschgeburt ziemlich lange dauern und ein traumatisches Geburtserlebnis bei der Frau auslösen.

Wann wird ein Kaiserschnitt gemacht?

Wenn die Herztöne abfallen, Plazentainsuffizienz , Nabelschnurproblematik, Haltungs- und Einstellungsanomalien wenn sich der Kopf nicht richtig zum Becken einstellt, kein Geburtsfortschritt, Bluthochdruck der Mutter, Schwangerschaftsvergiftung, Nieren- und Leberversagen und geplante Kaiserschnitte. Geplante Kaiserschnitte werden meist bei einer Beckenendlage und bei Plazenta Prävia (Fehllage der Plazenta) gemacht.

Kommen Totgeburten oft vor?

Selten aber sie kommen vor. Teilweise eine im Jahr, aber es kommt nicht unbedingt jedes Jahr vor.

Wie ist es mit der Nachgeburt bei einem Kaiserschnitt?

Die Nachgeburt wird beim Kaiserschnitt gleich mit raus genommen und ausgeschabt.

Wird der Rest der Nabelschnur mit der Nachgeburt abgestoßen?

Die Nabelschnur hängt an der Plazenta und wird mit der Nachgeburt abgestoßen.

Für welche Art von Geburt entscheiden sich die meisten Frauen?

Bei uns überwiegend für eine normale Geburt mit Schmerzerleichterung (Periduralanästhesie).

Welches war Ihre schrecklichste Erfahrung als Hebamme bisher?

Ich habe eigentlich immer bloß positive Erfahrungen gemacht. Die schrecklichste Erfahrung für mich wäre jetzt, wenn der Mutter und dem Kind etwas passieren würde und sie würden es nicht überleben.